Christin Berg
Bildende Künstlerin und Filmemacherin

Beyond the Now, 2022, 1-Kanal Video, s/w und Farbe, Audio, 18‘, Deutsch mit englischen Untertiteln
Einsamkeit, subjektives Empfinden, Sehnsucht – diese für die Epoche der Romantik typischen Motive kann man in den filmisch sorgfältig inszenierten Bildern von Christin Berg und in Beyond The Now finden. Den Ausgangspunkt der Arbeit bilden Landschaftsaufnahmen aus Olevano Romano, die Erinnerungen an die romantische Verehrung der Naturerhabenheit wecken, doch indem der Film zunehmend Menschen ins Bild setzt, richtet er seinen Fokus auf die Spuren, die unsere Gesellschaft in der Natur hinterlässt und verweist auf die Gegenwart, in der Sprachlosigkeit sowie Resignation die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und medialen Katastrophenbildern dominieren. Zugleich symbolisiert die Darbietung der Protagonistinnen den Kreislauf von Geburt, Wachstum, Dekonstruktion sowie Tod und kennzeichnet den Menschen als natürliches Wesen.


Kathrin Angela Denner
Komponistin

vertical loop task, 2013/2017, 7‘
für Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier

Uraufführung: Badisches Staatstheater Karlsruhe, Musiker der Badischen Staatskapelle

Der Begriff Loop (englisch: Schleife) in der Musik bezeichnet ursprünglich ein an beiden Enden zusammengeklebtes Stück eines Tonbandes. Diese Art der Wiederholung spielt in der Komposition „vertical loop task“ nur eine marginale Rolle. Die ereignisreiche Komposition nutzt die Wiederholung als eine aufbauende und formgebende Kraft. So ist es nicht das mechanische Wiederholen, sondern das variative Zurückkehren zu einem Ausgangsmaterial, was die Komposition lebendig entfalten lässt. Wenige musikalische und strukturelle Elemente kehren – sich sowohl vertikal als auch horizontal wiederholend – in unterschiedlichen Stimmen wieder und verflechten sich zu plastischen Texturen.

Sonare 4, 2023, 3‘, Uraufführung
für Trompete

Sonare 4 ist das letzte Werk der Reihe Sonare, die für Trompete Solo geschrieben wurde.
sonō <sonāre, sonuī, (sonātūrus)
(er)tönen, (er)schallen, (er)klingen, auch krachen, brausen, rauschen, zwitschern, prasseln, zischen, dröhnen

Sonare 4 ist für das Jubiläum der Serpentara geschrieben worden und erklingt aus der Ferne.


Ruth Kaaserer
Filmemacherin

Olevano in Inverno, 2022, Diainstallation, Audio, 16‘, Italienisch mit englischen Untertiteln

Die Diainstallation Olevano in inverno (Olevano im Winter) handelt von dem italienischen Bergdorf Olevano Romano und seinen Bewohner*innen, ihren individuellen Lebenssituationen sowie ihren Bezügen zur Dorfgemeinschaft. Ähnlich einem Film kommunizieren Bild und Ton miteinander. Gespräche, Geräusche und Bilder überlagern sich rhythmisch und geben Einblick in das Dorf, dessen Ursprünge mehr als 2500 Jahre zurückreichen. Viele, die hier aufgewachsen sind, verbindet eine enge Beziehung zu ihrem Wohnort, wo ihre Familien seit Generationen leben. Vielleicht tragen mitunter auch die magischen Lichtstimmungen dazu bei, dass sich die Menschen hier zu Hause fühlen. Besonders am höchsten Punkt des Dorfes, dem „Picocco“, wie ihn alle nennen, scheint die Zeit zu schweben. Morgens und abends wirken die umliegenden Bergketten wie vielschichtige Scherenschnitte und verleihen Olevano eine majestätische Ruhe, die bereits seit Jahrhunderten Künstler:innen aus ganz Europa anzieht.


Tobias Leibetseder
Komponist, Klang- und Medienkünstler

Serpentara [Spuren], Interaktive Klanginstallation
Der Serpentara-Wald, einst ein Symbol der Romantik, hat sich im Laufe der Zeit verändert und ist nun von Dickicht überwuchert. Immersive Audioaufnahmen erfassen seine derzeitige Klanggestalt in mehreren Wanderungen und komponieren sie in weiterer Folge zu einem musikalischen Werk. Der Wald wird über das digitale Medium des World Wide Web virtuell auditiv-dreidimensional zugänglich. Zugleich können Besucher:innen an spezifischen Orten des Serpentara-Waldes im realen Raum mit klanglichen Artefakten im Kontext der örtlichen Klanglandschaft und mit Bezug der kulturgeschichtliche Historie über Smartphone, mobile Data und Kopfhörern in einen audiovisuellen Dialog treten.


Sophia Pompéry
Bildende Künstlerin

Kippmoment, 2021
Hanf, Holz, Wald, in situ
Ein frisch gemähter, schmaler Pfad lädt zum Wandeln im dichten Wald hinter der Villa Serpentara ein und verbindet sechs in die Steineichen platzierte Schaukeln. Die Künstler, die 1873 die drohende Abholzung der „Serpentara“ verhinderten, schätzten die unberührte Schönheit der Landschaft. Für sie war der Wald ein erhabener Ort voller Mystik und Inspiration. Die digitale Epoche begünstigt das Schaukeln jeder Art. Wir legen das Smartphone beiseite, nehmen Schwung, entschleunigen, ändern die Perspektive und setzen uns ins Verhältnis mit der Bedeutung des Waldes heute.


Prinz Gholam
Bildende Künstler

Chiedi ai monti, ai sassi, 2023, Performance
Die Performance im Freien (en plein-air) zieht sich von Anfang an durch unsere Praxis: der Körper und das Selbst als Gefäß und Medium für Bilder zu benutzen, die das Verhalten in einer spezifischen historischen Umgebung und die kulturelle Prägung sichtbar werden lassen. Im Wald der Serpentara überlagern sich das Historische und Natürliche. Das Bewusstsein für andere nicht-menschliche Organismen und Materie ist gewachsen. Steine und Felsformationen sprechen eine Sprache, die der geologischen Geschichte des Ortes entstammt, unabhängig von kulturellen Projektionen und Eingriffen besteht und ganz andere Zeiträume umfasst. Die Geologie kann als Sprache aufgefasst werden, als eine Äußerung, die sich in so großen Zeiträumen entfaltet, dass die menschliche Lebensspanne einem Wimpernschlag gleicht.


Katharina Roth
Komponistin

ballet blanc, 2021/22, 8‘
für Bassflöte, Bassklarinette, E-Gitarre und Violoncello

Uraufführung 2022 in Bologna mit dem FontanaMIX ensemble

Bei der Arbeit an ballet blanc bin ich von verschiedenen Arten der Bewegung und damit einhergehenden emotionalen Zuständen ausgegangen. Gemäß des Embodiments speichert unser Körper emotionale Zustände, so unbewusst sie auch sein mögen, immer körperlich ab. Durch verschiedene Körperpositionen können vice versa verschiedene Arten von Emotionen ausgelöst werden. Die Komposition wurde vom FontanaMIX ensemble in Auftrag gegeben und wurde von der
Ernst von Siemens Musikstiftung gefördert. Sie ist dem FontanaMIX ensemble gewidmet.


Trutz von Stuckrad Penner
Architekt*innen

Periphere Blicke, 2023, Ausstellung
Eine Stunde östlich von Rom wurde 1949 mit der Umsetzung des INA-Casa-Programms begonnen, dem größten Wohnungsbauvorhaben der Nachkriegszeit in Italien.
Mehrere dieser im Licht des Neorealismus entworfenen Siedlungen umgeben die römische Metropole und sind heute Teile jener Disparität, die unser Verständnis von Zentrum und Peripherie maßgeblich verändert hat.

In einer offenen Konstellation als Reflexion zum Raum unserer Gegenwart versammelt sich zu diesem Thema unterschiedliches Material in Form von Bildern, Texten, Objekten und Dokumenten, die dazu anregen, neue Perspektiven einzunehmen.


Manos Tsangaris
Komponist, Trommler und Installationskünstler

viscum album, 2013, vier Akkordeonminiaturen, insgesamt 16‘
Jeder Übergang hat etwas von einem Grenzübergang. Er führt von der einen in die andere Zone. Wir verändern uns mit ihm, er verändert sich mit uns. Ein krasser Wechsel ist nur die extremste Form des Übergangs - ein Ruck.
Übergangslose Gleichheit - gibt es sie überhaupt? Sie macht die Übergänge in uns, die inneren Räume spürbar. Das Komponieren zettelt Räume an. Eigentlich bestehen alle denkbaren Kompositionen nur aus Übergängen, und das Bewusstsein ist ohne Kontinuität, es springt.

Die weißen Misteln (viscum album) sind Halbparasiten, die hoch oben auf Bäumen wachsen.

Andreas Uebele

Bettina Allamoda

Heike Geißler

Jorg Sieweke

Elise Eeraerts

Stefan Hanke

Marc Sabat - Lorenzo Pompa

Jay Schwartz

Jan Liesegang

Anne Boissel